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Das Streichholzmuseum in Jönköping – Zündholzgeschichte hautnah im Tändsticksmuseum

Streichhölzer gehören sicherlich zu jenen Alltagsgegenständen, die von den meisten Menschen wenig hinterfragt werden. Das Wissen um die Herstellung beziehungsweise die Geschichte der praktischen Zündhölzer kann in Småland im Tändsticksmuseum (Streichholzmuseum) von Jönköping erweitert werden.

Im ehemaligen Gebäude einer Streichholzfabrik am Ufer des Vättern untergebracht, können Besucher den Prozess der Herstellung von Zündhölzern nachvollziehen, die Industrialisierung anhand von Maschinen und menschlichen Schicksalen nachverfolgen und aufwendig gestaltete Streichholzschachteln bewundern.

Bei den heutzutage käuflich zu erwerbenden Streichhölzern handelt es sich um sogenannte „Sicherheitszündhölzer“. Mit ein wenig Fantasie lässt sich vorstellen, dass bis zu deren Erfindung die Streichhölzer für ihre Besitzer eine hohe Gefahr waren, denn sie entzündeten sich leicht auch ungewollt und waren so Auslöser für zahlreiche Brände. Die Basis für diese Streichhölzer war weißer und leicht entzündlicher Phosphor. Der schwedische Chemiker Gustaf Erik Pasch sollte im Jahr 1844 die Grundlage für die heute bekannten Sicherheitshölzer schaffen, die von den Brüdern Lundström noch einmal verbessert wurden. Hier wurden das Holz und der rote Phosphor getrennt, zudem eine Reibefläche außen an der Schachtel angebracht.

Carl Frans Lundström (1823–1917) und sein Bruder Johan Edvard (1815–1888) hatten im Jahr 1845 in Jönköping in einer alten Schusterwerkstatt mit der Produktion von Zündhölzern begonnen. Die hohe Nachfrage erforderte 1848 einen Neubau der Fabrik, in dem heute das Tändsticksmuseum untergebracht ist. Die hier entwickelten Sicherheitszündhölzer aus Schweden wurden nicht nur auf der Weltausstellung 1855 prämiert, sondern wurden auch zu einem weltweiten Verkaufsschlager. Die Produktionsstätte sollte 127 Jahre Bestand haben.

Das Streichholzmuseum

Das Museum unterteilt sich in verschiedene Abschnitte und gewährt wirklich bislang kaum bekannte Einblicke in die Herstellung der Streichhölzer. Deren Produktion war anfänglich pure Handarbeit und aus einer einzigen Esche konnten 370.000 Hölzer gewonnen werden. Diese wurden aus dem Holz gehobelt und dann in Bündeln in Phosphor getaucht. Die Wahl der Esche hatte dabei ganz unterschiedliche Gründe: Einerseits konnte das Holz den Phosphor gut aufnehmen und andererseits wurde das Nachglühen nach dem Verlöschen des Streichholzes unterbunden. Anhand von interessanten Exponaten und auch Puppen, die die Arbeiter darstellen, können Besucher den Prozess detailliert nachvollziehen.

Die Handarbeit erforderte zunächst in der Mitte des 19. Jahrhunderts eine große Anzahl von Arbeitern. Ganz Familien waren in dem Unternehmen beschäftigt, um die Produktionsmengen zu gewährleisten. Kinder wie Erwachsene verbrachten zehn Stunden pro Tag an sechs Tagen der Woche in der Fabrik. Um sich einen Zuverdienst zu sichern, wurde anschließend vieles in die Heimarbeit verlagert. Dort waren Familien vollends damit beschäftigt, die Schachteln zu falten, zu bekleben und zu befüllen. Wie sich das Leben zu dieser Zeit gestaltet, ist sehr anschaulich im Museum dargestellt. Gerade die Arbeit mit dem giftigen Phosphor hatte schon früh Auswirkungen auf Kinder und Erwachsene. Dabei scheut sich die Ausstellung auch nicht, die misslichen Verhältnisse der damaligen Zeit kritisch anzusprechen.

In diesem Kontext widmet sich das Museum dem Leben von Lena Törnqvist, einer Arbeiterin in der Fabrik. Sie lebte von 1818 bis 1898 in Jönköping und verlor drei ihrer sechs Kinder bereits im Säuglingsalter. Ihr Mann fiel der Cholera zum Opfer. Lena Törnqvist erkrankte durch die Arbeit mit den Chemikalien an Phosphornekrose, in Folge dessen ihr die Zähne ausfielen und ihr Kieferknochen brüchig wurde. Sie wurde nur mit ⅔ bis ⅓ des Grundlohns für Männer vergütet und musste fast ihr gesamtes Leben lang arbeiten. Ihr hohes Alter ist angesichts der Lebensumstände ein kleines Wunder.

Mit der fortschreitenden Industrialisierung wurden auch immer mehr Maschinen für die Produktion von Streichhölzern erfunden. Der Angestellte Alexander Lagerman sollte die Herstellung modernisieren. Dies ist ihm eindrucksvoll gelungen, denn dank seiner Erfindungen konnten pro Tag etwa 40.000 Zündholzschachteln produziert werden. Fünf dieser Maschinen ersetzten die Arbeit von 200 Menschen, was natürlich auch soziale Folgen hatte. Der wirtschaftliche Erfolg sollte jedoch alles überstrahlen und die schwedischen Zündhölzer zum Weltmarktführer werden lassen.

Ein weiterer Teil des Museums ist Bernhard Hay gewidmet, der sich als Wohltäter erwies und das Unternehmen kontinuierlich weiterentwickelte. Er schuf eine Werksfeuerwehr, die auch bei Bränden in der Stadt Jönköping zum Einsatz kam, ließ eine Reithalle und eine Tennishalle bauen.

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Ivar Kreuger, der Zündholzkönig

Beim weltweiten Erfolg der Streichhölzer darf der Name Ivar Kreuger nicht fehlen. Der Zündholzfabrikantensohn Ivar Kreuger, der in Kalmar das Licht der Welt erblickte, kaufte alle schwedischen Zündholzfabriken auf. Das riesige Firmenimperium wurde plötzlich zum Spielball der Politik zur Zeit des 1. Weltkrieges, als Kreuger für den Erhalt des Zündholzmonopols in 16 Länden in Europa entsprechende Kredite vergab. In der Bundesrepublik sollte dieses Monopol auf „Schwedenhölzer“ bis zum Jahr 1983 Bestand haben. Als sich jedoch abzeichnete, dass er sich verspekuliert hatte, nahm sich Ivar Kreuger das Leben.

Ein sehr beliebter Ausstellungsraum im Streichholzmuseum hat sich den Streichholzschachteln verschrieben, die mit wirklich großartigen Motiven aufwarten können. Auch wenn es sich dabei oftmals nicht um wirkliche Originale, sondern um Fälschungen der weltbekannten Streichhölzer „Made in Sweden“ handelt, sind sie schön anzusehen.

Das Thematik mag auf den ersten Blick langweilig erscheinen, dennoch ist das Streichholzmuseum auf jeden Fall einen Besuch wert. Die Geschichte und die Herstellung sind anschaulich und unterhaltsam aufbereitet. Im Shop können kleine Erinnerungen in Form von schönen Streichholzschachteln erworben werden.

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